Südkurier 09.07.2003 06:20
Sekt für den Marathonmann
Niederhofer Otmar Engelsmann ist Weltmeister geworden
"Das war heute Ortsgespräch": Auch der Niederhofer Ortsvorsteher Konrad Ruf redete darüber, worüber am Montag alle im Dorf sprachen - Niederhof hat einen Weltmeister. Otmar Engelsmann, 63 Jahre, ging am Sonntag im Salzburgerland bei der Rad-Marathon-Weltmeisterschaft für lizenzfreie Fahrer an den Start (wir berichteten) und schaffte in seiner Altersklasse, wovon viele nicht einmal zu träumen wagen.
Niederhof -
VON BRIGITTE CHYMO
 
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Ein herzliches Willkommen für den Weltmeister im Rad-Marathon, Otmar Engelsmann (rechts) aus Niederhof. Links Ortsvorsteher Konrad Ruf. Foto: Chymo

Niederhof - Nach 220 Kilometern über zehn Berge und 4600 Höhenmetern durch das Salzburger Land, Kärnten, die Steiermark und zurück, stand Otmar Engelsmann ganz oben auf dem Treppchen. Die Ehefrau erfuhr am Abend vom Triumph des Gatten. Mit einem bescheidenen "I bi it g'floge" meldete sich der frischgebackene Weltmeister am Telefon zu Wort. Schnell machte die sensationelle Neuigkeit im Dorf die Runde und die Zeit reichte gerade noch aus, damit Horst Singer, ein Nachbar des Weltmeisters, am Montag seine beiden Pferde Max und Moritz vor die Kutsche spannen konnte. Dann chauffierte er Otmar Engelsmann am Montagabend vor die Ortsverwaltung, wo schon die Ortschaftsräte und der Ortsvorsteher nebst anderen Niederhofer Bürgern warteten, um den Weltmeister in Empfang zu nehmen. Der ehemalige Ortschaftsrat Leo Oeschger hatte sogar sein Alphorn mitgebracht und kräftig in das Horn geblasen, sobald die Kutsche mit ihren Fahrgästen bei der Kirche um die Ecke der Schulstraße gebogen war.

Die goldene Weltmeistermedaille um den Hals entstieg ein glücklich strahlender Otmar Engelsmann der Kutsche und machte sich erst einmal auf Gratulationstour. Da waren viele Hände zu schütteln, viele Glückwünsche entgegen zu nehmen, und es gab viel zu erzählen. Schließlich konnte Ortsvorsteher Konrad Ruf den - sportlich gesehen - höchst dekorierten Bürger Niederhofs an einen kleinen Empfangstisch lotsen, wo schon der Sekt kühlte und alle gemeinsam auf die großartige Leistung und den großen Erfolg anstoßen konnten.

Weil es beim Start am Sonntag so kalt war, hatte der Marathonmann, wie er erzählte, zunächst nicht das Gefühl, dass es besonders gut lief. Aber mit jedem Kilometer mehr rollte er besser, vor allem am Berg, der Stärke des Weltmeisters. Dank den Startnummern mern an den Trickots der Altersklassefahrer, war Otmar Engelsmann dann irgendwann klar, dass er ganz vorne mitmischte. Der spätere Zweitplatzierte und der Erstplatzierte des Vorjahres fuhr lange vor ihm her. Als dieser zurückfiel, setzte sich Otmar Engelsmann an die Spitze - um unangefochten seinen Sieg nach Hause zu fahren.